Schriftliche Korrekturen nehmen im Sprachunterricht nach wie vor einen großen Raum ein. Dabei legen Ergebnisse der Sprachforschung schon seit Langem nahe: Sie sind völlig überbewertet. Zumindest in der Form, wie sie meistens angewandt werden. Könnten Lehrende sich schriftliche Korrekturen also sparen?

Indirekte Korrektur

Viele Lehrende setzen auf das Prinzip der indirekten Korrektur. Das bedeutet, Fehler werden nicht explizit korrigiert, sondern einfach markiert. Ziel ist, dass Lernende ihren Fehlern selbst auf die Spur kommen, sie so verstehen können, und eigenständig Verbesserungen finden. Beim nächsten Text, so die Hoffnung, klappt dann alles besser. Stimmt leider nur, wenn der markierte Text dann auch überarbeitet wird. Ein Transfer auf einen neuen Text ist damit noch lange nicht erreicht.
Außerdem haben diese indirekten Korrekturen einen weiteren Nachteil: Die Lernenden können nur selbst korrigieren, was sie schon wissen. Also geht es im weitesten Sinn um Flüchtigkeitsfehler. Einen Fortschritt im Lernprozess können sie damit folglich nicht erreichen.

Direkte Korrektur

Also doch besser eine direkte Korrektur mit konkreten Verbesserungsvorschlägen? Meist ausgeführt als umfassende Korrektur, das heißt, jeder Fehler wird mit einer Korrektur versehen? Das kann auf Lernende eher frustrierend wirken, wenn der Text durchzogen von Korrekturen ist. Gerade bei vielen Verbesserungen ist es Lernenden verständlicherweise oft zu mühsam, die vielen Vorschläge nachzuvollziehen.

Wie korrigieren? – Gezielte und individuelle Korrektur

Wie aber soll man dann korrigieren? Eine Möglichkeit ist die gezielte Korrektur, das heißt, korrigiert werden zum Beispiel nur bestimmte Phänomene, auf die man sich zuvor im Kurs geeinigt hat. Noch besser ist eine ganz individuelle Korrektur, die auf die persönlichen Bedürfnisse der einzelnen Teilnehmer eingeht. Es gibt zum Beispiel Lernende, die sich die Möglichkeit wünschen, erst einmal selbst ihren Text zu überarbeiten. Bei ihnen ist die indirekte Korrektur eine gute Wahl. Andere Lernende erwarten konkrete Vorschläge, weil sie ihre sprachlichen Möglichkeiten erweitern wollen. Hinzu kommt, dass Menschen eine unterschiedliche Toleranz haben, wenn sie auf Fehler hingewiesen werden.

Positives Feedback

Eines gilt aber für alle: positives Feedback tut gut und motiviert! Deswegen ist es immer hilfreich, Fehlerkorrekturen mit Lob zu verbinden. Das kann strukturell sein, indem man den Teilnehmer für den inhaltlichen Aufbau seines Textes lobt („Sie haben alle Argumente gut dargestellt. Ihr Text ist gut zu lesen.“). Oder man gibt ihm positives Feedback hinsichtlich seiner Grammatik („Man merkt, dass Sie den Konjunktiv I verinnerlicht haben. Sie wenden ihn sehr sicher an.“). Es motiviert Lernende auch, wenn sie positive Rückmeldung für den Versuch erhalten, sich an neue Formulierungen zu wagen. Nach dem Motto: „Das ist gut gedacht und logisch hergeleitet. Leider formulieren wir das im Deutschen aber nicht so.“

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