„Deutsch ist eine faszinierende Sprache“, findet Abdoulaye Ouattara aus Burkina Faso. Der 32-Jährige spricht nicht nur perfekt Deutsch, sondern ist auch ein engagierter DaF-Lehrer. Deutsch lernte er schon als Fremdsprache in der Schule in Burkina Faso. Dort hat er auch Germanistik studiert. Mit einem DAAD-Stipendium kam er nach München und absolvierte sein zweites Studium: Deutsch als Fremdsprache. Seit 2016 bildet er für das Berufsförderungszentrum (bfz) München selbst DaF-Lehrer aus.

Herr Ouattara, was gefällt Ihnen besonders an der deutschen Sprache?

Abdoulaye Ouattara: Ich finde, die deutsche Sprache ist unglaublich präzise, sowohl in Bezug auf ihre grammatikalische Struktur als auch auf ihren reichen Wortschatz. Für alles gibt es eine exakte Bezeichnung. Wenn ein Deutscher mir etwas sagt, weiß ich – sprachlich betrachtet – ganz genau, was er meint. Ich muss nicht anhand des Kontextes mutmaßen wie bei vielen anderen Sprachen. Das Deutsche schließt damit Mehrdeutigkeiten, die zu Missverständnissen führen können, weitestgehend aus. Das ist genial!
Und Deutsch ist eine faszinierende Sprache, was die Struktur der Nebensätze betrifft. Die Position des Verbs am Ende erzeugt eine gewisse Spannung. Als Zuhörer oder Leser muss ich meine Aufmerksamkeit bis zum Schluss aufrecht erhalten, denn erst mit dem Verb kann ich die Bedeutung des Satzes komplett erfassen.

Das macht es manchen Deutschlernenden schwer, ebenso wie die unterschiedlichen Artikel. Wie sehen Sie diesen Aspekt?

Abdoulaye Ouattara: Natürlich sind die Artikel nicht einfach, aber sie eröffnen auch eine große Chance. Ich kann ein Nomen nicht isoliert lernen, sondern immer nur in Kombination mit dem Artikel, der Pluralform und der Bedeutung. Das heißt, ich muss mehr reflektieren, weil ich mir eine ganze Struktur einpräge. Das wirkt kognitiv anregend.

Sie bilden Deutschlehrer/innen aus. Was müssen Lehrer/innen abgesehen von der fachlichen Kompetenz mitbringen?

Abdoulaye Ouattara: Soziale Kompetenz – ohne diese geht es gar nicht. Lehrer/innen müssen mit unterschiedlichen kulturellen Einstellungen umgehen und Empathie zeigen können. Das heißt aber nicht, dass sie alles akzeptieren müssen. Im Gegenteil: Sie dürfen nicht konfliktscheu sein.

Haben Sie dafür ein Beispiel?

Abdoulaye Ouattara: Lehrer/innen müssen für die Werte einstehen, die wir in Deutschland leben wollen. Wenn sich jemand despektierlich über Deutschland äußert oder keine Lust hat, die Sprache zu lernen, kann ich sehr direkt und „streng“ sein. Ich sage: Wir müssen alle, mich und dich eingeschlossen, etwas dafür tun, um Deutschland weiterzubringen. Vermutlich wird so eine Äußerung bei mir eher akzeptiert, weil ich selbst einen Migrationshintergrund habe.

Was ist Ihnen noch wichtig bei zukünftigen Lehrenden?

Abdoulaye Ouattara: Kollegialität. Insbesondere wenn man gemeinsam einen Kurs leitet, muss man seinem Partner gegenüber absolut loyal sein. Und Methodenkompetenz im Sinne von „klare Regeln aufstellen“. Ich stelle solche Regeln immer am Anfang eines Deutschkurses gemeinsam mit den Teilnehmern auf. Was erwarten wir, wie müssen wir uns alle verhalten, damit der Kurs gelingt? Es gibt allerdings Dinge, die nicht verhandelbar sind. Zum Beispiel gilt immer: kein Handy im Unterricht benutzen, es sei denn ich fordere dazu auf. Oder der Respekt vor den anderen, der bedingt, dass jeder ausreden darf. Wenn diese Prinzipien eingehalten werden, kann ich als Lehrer auch locker und humorvoll sein.

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