Wir sitzen zu viel, im Berufsleben wie in unserer Freizeit. Wie schädlich das ist, haben vor geraumer Zeit Studien bewiesen. „Sitzen ist das neue Rauchen“ lauteten die Schlagzeilen. Sitzen wirkt also Lebenszeit verkürzend, Bewegung dagegen ist der Schlüssel zu einem gesünderen und längeren Leben. Und – wenig verwunderlich – auch zu einem besseren Lernen.

Denn nicht nur Kindern fällt das stundenlange Stillsitzen in der Schule schwer. Erwachsenen macht es ebenso zu schaffen. Der Mensch hat nämlich ein natürliches Bedürfnis, sich zu bewegen. Aber auch aus anderen Gründen ist es sinnvoll, Bewegung in den Unterricht – egal ob bei Kindern oder Erwachsenen – zu integrieren. Zum einen stimuliert sie beide Gehirnhälften, zum anderen steigt der Sauerstoffgehalt im Gehirn um rund 14 Prozent. Das Gehirn wird also aktiviert und besser versorgt. Beides beste Voraussetzungen fürs Lernen.

Allerdings sabotiert sich unser Gehirn manchmal selbst. Denn es speichert, was es einmal verinnerlicht hat. Das gilt zum Beispiel auch für Lerntraditionen, und Bewegung hat in den meisten Lerntraditionen leider keinen festen Platz. Sie wird gerade noch bei kleinen Kindern toleriert, spätestens nach dem Grundschulalter ist Unterricht und Lernen allerdings mit Stillsitzen an einem Schreibtisch verbunden.

Rücksicht auf Lerntraditionen nehmen

Deswegen empfinden viele Lernende die Aufforderung zu mehr Bewegung im Unterricht – egal in welcher Form – oft als Zeitverschwendung, manchmal sogar als kindisch und peinlich. Viele Lehrende sind davon nicht ausgenommen. Sie sind ja meist „Opfer“ der gleichen Lehrmethoden wie ihre Kursteilnehmer. Wer sich als Lehrender gehemmt fühlt, Bewegungsübungen in den Unterricht einzubauen, braucht sich nicht dazu zwingen. Wie für alle Unterrichtsmethoden gilt auch hier: Man sollte nur anwenden, wohinter man stehen kann. Nichts ist für das Lernen hinderlicher und demotivierender als ein Lehrer, dem man anmerkt, dass er von seiner Tätigkeit nicht überzeugt ist.

Wer aber als Lehrender mehr Aktivität in seinen Unterricht bringen möchte, hat es leichter, wenn er den Teilnehmern seine Methodenwahl transparent macht. Dazu gehört der biologische Nutzen (gesteigerte Hirnaktivität) ebenso wie das Lernziel der jeweiligen Bewegungsübung. Hilfreich ist es auch, Bewegung von Anfang an einzubauen, damit sie für die Lernenden selbstverständlich erscheint. Besonders motivierend ist es, wenn Lehrende bei diesen Aktivitäten mitmachen. Und noch etwas ist wichtig: aus Rücksicht auf fest verankerte Lerntraditionen sollten solche Übungen immer freiwillig sein. Wer nicht mag, darf zuschauen und sich langsam herantasten.

Soviel erst einmal zur Theorie. Im nächsten Beitrag präsentieren wir Ihnen eine kleine Auswahl an Bewegungsübungen. Und wenn Sie eine Lieblingsübung haben, lassen Sie es uns wissen!

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