An meine ersten Erfahrungen mit einer Zweitschrift erinnere ich mich noch gut. Ich war „selbst betroffen“, eine Zweitschriftlernerin, als ich Russisch lernte. Eine Sprache, deren Klang mich faszinierte. Die kyrillische Schrift war die erste große Herausforderung. Während die fremden Buchstaben meiner Banknachbarin Katja mühelos aus der Feder zu fließen schienen, entstanden meine Buchstaben nur langsam und wirkten recht krakelig. Katja hatte in der ehemaligen DDR Russisch in der Schule gelernt. Sie war mir meilenweit voraus und konnte sich schon mit der Bedeutung der Wörter beschäftigen, während ich mich noch an ihrer Form mühte – beim Lesen und Schreiben gleichermaßen.

Deswegen habe ich großen Respekt vor Zweitschriftlernern. Zumal sich das lateinische Alphabet als zweite Schrift für viele Lerner weitaus extremer von ihren Erstschriften unterscheidet als das Kyrillische von meiner ersten Schrift. Man denke nur an Lerner aus dem arabischen oder asiatischen Raum, wo oft noch nicht einmal die Leserichtung die gleiche ist. Eine weitere Schrift und gleichzeitig eine neue Sprache zu lernen, bedeutet eigentlich zwei Lernprozesse. Denn die Schrift ist nie einfach nur Hilfsmittel, sondern immer auch etwas zu Lernendes. Dabei haben Zweitschriftlerner den großen Vorteil, dass sie in der Regel bereits mit einer Schrift vertraut sind. Das heißt, sie kennen das Konzept „Schrift“ und besitzen im wahrsten Sinne des Wortes die Fingerfertigkeit, also die motorische Fähigkeit zu schreiben. Ist das nicht der Fall, helfen spezielle Übungen zum Umgang mit Stiften.

Material für Zweitschriftlerner

Zweitschriftlernern, aber auch Lernern, die noch nicht so viel Übung im Lesen und Schreiben haben, kann man das Lernen auf vielerlei Weise erleichtern. Zum Beispiel sind für sie die gute Strukturierung der Lehrmaterialien und eine nicht zu steile Progression besonders wichtig. Ein einfacher, klarer Aufbau von Lehrbüchern und Arbeitsblättern mit kurzen, prägnanten Arbeitsanweisungen hilft sehr. Grafische Elemente machen viele Worte oft überflüssig. Sehr hilfreich und motivierend sind auch Aussprachevideos mit Anlautbildern und lautdifferenzierenden Übungen, zum Beispiel in einer lehrwerksbegleitenden App. Und letzten Endes natürlich üben, üben, üben, damit sich Routine einstellt und irgendwann die Konzentration auf die neue Schrift nicht mehr so viele Lernressourcen bindet.

 


 

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