„Ich habe jetzt auch WhatsApp“, erzählt mir ein Kollege. Privat nutze er es zwar nicht, sei diesbezüglich eher kritisch eingestellt, aber seinen Kursteilnehmern zuliebe … Immerhin sei praktisch, dass er nun einfach ab und zu einen Link zu interessantem Material in die Runde schicken könne.

Im Gegenzug bekommt er für seine Lerntipps dann auch einmal am Wochenende ein mehrseitiges Dokument per WhatsApp mit der Bitte, es für alle Kursteilnehmer auszudrucken und in den Kurs mitzubringen. Oder er erhält eine Bewerbung, die etwas eilt und noch dringend kleiner Korrekturen bedarf.

„Manchmal bin ich als Lehrkraft auch gar nicht adressiert, fühle mich aber trotzdem verpflichtet einzugreifen“, berichtet eine Kollegin, die ebenfalls mit den Teilnehmern ihres Kurses per WhatsApp verbunden ist. Etwa wenn fehlerhafte Informationen in der Gruppe als Lernvorlagen verschickt werden. „Das kann ich dann doch nicht einfach ignorieren“, meint sie.

Bereitschaftsdienst für den Lehrer

In beiden Fällen – und sicher auch in etlichen anderen – passiert das Gleiche: WhatsApp verwischt die Grenze zwischen privat und beruflich. Der Lehrende ist als Teil einer WhatsApp-Gruppe eigentlich immer in Bereitschaft. Wenn sie oder er sich einmal darauf eingelassen hat, können Anfragen eigentlich nicht unbeantwortet bleiben. Zumal der Absender in der Regel sieht, wann seine Nachricht gelesen wurde.

Es ist in Ordnung, wenn man sich dieser Konsequenzen bewusst ist und sich dennoch auf diese Art und Weise mit den Lernenden vernetzen möchte. Wer das aber nicht will, sollte sich nicht genötigt fühlen, weil sich der Kurs das wünscht oder es andere Kolleg/innen auch so handhaben – oder weil die Nutzung von WhatsApp in allen Bereichen so selbstverständlich ist, dass man schon beinahe das Gefühl hat, sich erklären zu müssen, wenn man nicht dabei ist …

Das muss man nicht. Ob man überhaupt WhatsApp verwendet und für welche Zwecke, ist nämlich vor allem eines: eine ganz private Entscheidung.

Wie halten Sie es in Ihren Kursen? Wir interessieren uns für Ihre Meinung und freuen uns über Feedback.

Teilen Sie als Erste/r diesen Beitrag.