Eine Umfrage unter Teilnehmenden des Hueber-Webinars Game on! – Spiele im Unterricht ergab, dass nur zwei Prozent der Lehrenden nie Spiele im Präsenzunterricht einsetzen. Beim Online-Unterricht dagegen waren es 16 Prozent. Als Gründe führten die Befragten unter anderem die mangelnde Möglichkeit zur Interaktion, weniger Unterrichtszeit und den großen Aufwand für die Vorbereitung an. Anna Ralston-Schmid, Referentin des Seminars und Dozentin am Goethe-Institut San Francisco in den USA, findet: Spiele sind in jeder Unterrichtsform sinnvoll. Warum das so ist und wie man die Herausforderung Spiele im virtuellen Raum meistern kann, erzählt sie im Interview.

Warum sollten Lehrende Spiele in jeder Unterrichtsform einsetzen? Was bringen sie den Lernenden?

Anna Ralston-Schmid: Sie bringen Spaß und Abwechslung in den Unterricht und bieten damit die beste Voraussetzung, um Lernende zu aktivieren. Sie steigern auch die intrinsische Motivation. Die Teilnehmenden konzentrieren sich nämlich auf das Spiel und nicht auf den Lernprozess. Lernen geschieht beim Spielen unbewusst und quasi nebenbei. Spiele eignen sich daher sehr gut zum Wiederholen und Automatisieren. Außerdem geben sie die Möglichkeit zu authentischer Kommunikation. Allerdings sollte man den Teilnehmenden zuvor die Redemittel dafür an die Hand geben, zum Beispiel Sätze wie: „Du bist dran.“
Und nicht zuletzt stärkt Spielen das Gruppengefühl – auch oder vielleicht gerade im Online-Unterricht, wo man sich nur im virtuellen Raum kennenlernen kann.

Wo sehen Sie persönlich die größte Herausforderung für Lehrende, die solche Spiele in den Unterricht integrieren wollen?

Anna Ralston-Schmid: Die Spiele müssen „digital funktionieren“. Ich muss also ganz genau überlegen, was meine Unterrichtsplattform ermöglicht und welche Apps sich für das Anlegen von interaktiven Spielen eignen. Aus der Flut von Spiele-App-Anbietern sollte man sich zunächst vielleicht nur auf zwei Plattformen konzentrieren. Weniger ist hier wirklich mehr. Denn man muss sich ja nicht nur selbst in die Apps einarbeiten, sondern auch die Lernenden müssen die Bedienung beherrschen. Auch kann man nicht bei jedem Endgerät mit allen Apps arbeiten.
Außerdem sollte man mit der Institution, für die man tätig ist, klären, welche Datenschutzrichtlinien einzuhalten sind. Zwar müssen Teilnehmende oft kein eigenes Konto bei einer Spieleplattform erstellen, um zu spielen. Dennoch sollte man sich vor deren Einsatz informieren.

Ist der Vorbereitungsaufwand wirklich so groß? Wie sieht es mit dem finanziellen Aufwand aus?

Anna Ralston-Schmid: Natürlich ist es immer erst einmal aufwendiger, wenn man sich in etwas Neues einarbeitet. Aber das gilt auch für Präsenzunterricht. Wenn ich zum Beispiel ein Memo-Spiel vorbereite, muss ich auch Karten entwerfen, sie laminieren und ausschneiden. Das dauert, aber dann kann ich immer wieder darauf zurückgreifen. Ähnlich ist es mit Online-Spielen. Einmal entworfen, kann ich sie in der Regel speichern und wieder verwenden. Oder adaptieren. Die Apps sind meist leicht zu verstehen. Außerdem findet man auf YouTube zu nahezu jeder App eine Anleitung. Wer online unterrichten und mit einem Konferenzprogramm umgehen kann, der kommt in der Regel auch mit jeder Spiele-App zurecht.
Und zu den Kosten: Ein Basis-Konto mit einer begrenzten Anzahl an Aktivitäten ist normalerweise kostenlos.

Haben Sie konkret ein paar Tipps für Lehrende, die noch keine Erfahrung mit Spielen im Online-Unterricht haben?

Anna Ralston-Schmid: Zwei einfache Spiele, die man ganz ohne App spielen kann, sind Farben schnappen und Montagsmaler. Letzteres kennen die meisten schon aus dem Präsenzunterricht. Eine:r zeichnet ein Bild, die anderen Kursteilnehmenden müssen den zugehörigen Begriff erraten. Online wird auf einem interaktiven Whiteboard gezeichnet, das nahezu alle Konferenzprogramme bieten. Farben schnappen bringt zusätzlich Bewegung in den Online-Unterricht. Die Aufgabe könnte lauten: „Suchen Sie in Ihrer Umgebung etwas Rotes, zeigen und beschreiben Sie es.“
Zwei Spiele-App-Plattformen, die ich gern nutze, sind Wordwall mit unterschiedlichen kleinen Spielen wie zum Beispiel Glücksrad und Genially, das Brettspiele für die Online-Anwendung adaptiert. Beide sind in der Basisversion kostenlos.

 


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Spiel und Spaß im Online-Unterricht