Wenn ich spontan eine griffige Erklärung für ein grammatikalisches Phänomen brauche, frage ich gern meine DaF-Kolleg/innen, deren Muttersprache nicht Deutsch ist. Meistens bekomme ich eine klare, knappe und präzise Beschreibung. Das nötigt mir jedes Mal Respekt ab. Sind Zuwanderer die besseren DaF-Lehrer?

Natürlich bin ich es gewohnt, meine L1 Deutsch in ihre Einzelteile zu zerlegen, zu analysieren und zu erklären. Sowohl in meinem Germanistikstudium als auch später im DaF-Studium. Aber der objektive Blick auf die Sprache, mit der ich aufgewachsen bin, ist nicht immer leicht einzunehmen. Als Muttersprachler benutze ich „meine Sprache“ intuitiv. Aber die Erklärung „das sagt man halt so“ ist für Kursteilnehmer alles andere als befriedigend.

Wer als DaF-Lehrer selbst Deutsch gelernt hat, musste sich Schritt für Schritt die Strukturen dieser Sprache erschließen. Vielleicht hat das zur Folge, dass man sich weniger in Ausnahmen und Möglichkeiten verliert, sondern sich auf das Wesentliche konzentriert. Aus eigener Erfahrung weiß man, welche Themen die größte Herausforderung darstellen und setzt einen größeren Fokus darauf. Man hat sich möglicherweise seine eigenen praktischen Eselsbrücken gebaut und kann diese nun an andere Lernende weitergeben.

Mehr Empathie mit den Lernenden?

Es gibt aber einen weiteren triftigen Grund, der für DaF-Lehrer aus dem Ausland spricht. Vor Kurzem habe ich einen interessanten Beitrag über Integration gelesen. Darin schilderte eine junge afghanische Modeschöpferin ihre ganz persönlichen Erfahrungen. Sie war selbst als Kind mit ihren Eltern nach Deutschland geflüchtet und benennt die Erfordernisse einer geglückten Integration.

Unter anderem plädiert sie dafür, dass Integrationskurse unbedingt von Migranten geleitet werden sollten. Denn sie könnten sich am besten in die Lernenden einfühlen. Und was noch wichtiger sei: Sie seien sensibilisiert für kulturelle Unterschiede, weil sie selbst in zwei Kulturen zu Hause sind. Damit hätten sie das Potenzial, kulturellen Missverständnissen vorzubeugen, Vorurteile abzubauen bzw. ihnen vorzubeugen und damit eine echte Integration zu begleiten.

Ein Ansatz, über den es sich lohnt nachzudenken. Und den man erweitern könnte: Vielleicht wäre Co-Teaching eine gute Alternative, was ja auch in anderen Bereichen mittlerweile üblich ist.

 


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