Vor etwa vier Jahren veröffentliche eine deutsche Zeitung auf ihrer Homepage ein Top-Ten-Ranking der Berufe, die bald nicht mehr gebraucht werden. „Sprachlehrer/in“ belegte dabei einen der vorderen Ränge. Die Begründung lautete, dass mit zunehmender Digitalisierung immer mehr Möglichkeiten entstehen würden, online zu lernen. Lehrer/innen, die einen klassischen Kurs leiten, bräuchte es dann nicht mehr. Präsenzkurse überflüssig.

Schon ein Jahr später widerlegte die sogenannte Flüchtlingswelle, die nach Deutschland schwappte, diese Mutmaßung. Auf einmal waren Deutschlehrer/innen gefragt wie nie. Trotz digitaler Angebote (fast jede/r Geflüchtete benutzte irgendwelche Deutsch-Apps). Denn es ging nicht nur darum, den Neuankömmlingen die deutsche Sprache zu vermitteln. Sie sollten sich auch in Deutschland zurechtfinden. Für viele waren ihre Deutschlehrer/innen einer der wenigen regelmäßigen Kontakte mit der deutschen Kultur. Der Deutschkurs war ein geschützter Raum, in dem man den tristen Alltag kurzzeitig hinter sich lassen konnte.

Präsenzkurse sind soziale Treffpunkte

Damit sind wir vielleicht beim entscheidenden Punkt, der für Präsenzkurse spricht – egal in welchem Kontext. Sprache ist ein soziales Instrument, das der Mensch im Laufe der Zeit immer weiter verfeinert hat. Denn er ist ein soziales Wesen und an unmittelbarem Austausch interessiert. Hunderte virtueller Facebookfreunde können nicht einen guten Freund ersetzen, mit dem man sich von Angesicht zu Angesicht unterhalten kann.

Genauso ist das in „realen“ Sprachkursen. Menschen lernen gern in Gemeinschaft, weil sie kommunikative Wesen sind. Die Gruppe bietet nicht nur die Möglichkeit, mit- und voneinander zu lernen. Sie hilft auch dabei, die eigenen Fähigkeiten einzuordnen: Wie gut sind meine sprachlichen Kenntnisse in Relation zu anderen? Was beherrsche ich schon, was muss ich noch vertiefen? Natürlich kann das auch manchmal frustrierend sein. Aber in der Regel weckt es doch den Ehrgeiz, mehr zu lernen, wenn andere schon etwas weiter sind. Mitlernende können einen regelrecht mitziehen.

Das geht auch digital, zum Beispiel im Online-Chat, könnte man einwenden, ist aber aufwendiger, und mit meinem Chat-Partner kann ich nach Kursende meist nicht spontan einen Kaffee trinken. Denn Sprachkurse sind auch soziale Treffpunkte. Egal ob Menschen das Interesse an einem bestimmten Land verbindet und sie sich deshalb im gleichen Sprachkurs treffen, oder sie aus unterschiedlichen Gründen in einem fremdem Land Fuß fassen wollen oder müssen und im Sprachkurs die ersten neuen Freunde finden.

 


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