Als Prüfer/-in arbeiten, das ist nichts für mich! So reagieren viele DaF/DaZ-Lehrende, wenn sie auf diese Tätigkeit angesprochen werden. Auch ich sehe mich weitaus lieber als Lernbegleiterin und nicht als diejenige, die das Lernergebnis beurteilt. Dennoch würde ich allen Lehrenden raten, ein Seminar zur Zertifizierung als Prüfer zu belegen. Und mindestens ein- oder zweimal eine mündliche Prüfung abzunehmen. Warum?

Ein Vorteil liegt auf der Hand: Man erhält einen Einblick, nach welchen Kriterien Prüfer die sprachlichen Fähigkeiten in einer mündlichen Prüfung beurteilen. Natürlich kennt jeder Lehrende die Kann-Beschreibungen des Gemeinsamen Europäischen Referenzrahmens. Aber wie man diese in einer Prüfung konkret anwendet, ist doch noch mal eine andere Sache.

Nicht immer sind sich Seminarleiter und Seminarteilnehmer oder auch die Teilnehmer dabei untereinander einig. Die Beispielvideos von mündlichen Prüfungen werden längst nicht in jedem Fall gleich bewertet. Diese Erfahrung zeigt, wie subjektiv die Beurteilung einer mündlichen Äußerung immer bleibt und wie wichtig es daher ist, die eigene Einschätzung immer kritisch zu hinterfragen und mit einem Co-Prüfer zu diskutieren.

Prüfer müssen sich selbst kritisch hinterfragen

Eine derartige Fortbildung ist aber auch hilfreich, um die eigene Persönlichkeit und das eigene Verhalten zu reflektieren. Wie kann ich mich verhalten, um eine angenehme Prüfungsatmosphäre zu schaffen? Wie kann ich einen sehr aufgeregten Prüfungsteilnehmer beruhigen? Inwieweit darf oder muss ich ein Gespräch lenken? Wie schaffe ich den Spagat zwischen professioneller Distanz und freundlicher Zugewandtheit? Das sind nur einige Fragen, die nicht einfach zu beantworten sind und die in einem solchen Seminar diskutiert werden können.

Zudem sehe ich einen dritten Vorteil: Wer selbst einmal als Prüfer/-in gearbeitet hat, kann seinen Kursteilnehmer/-innen quasi aus erster Hand berichten, wie eine mündliche Prüfung abläuft. Lehrende können so besser erklären, worauf es ankommt und wie man sich vorbereiten kann, und so im besten Fall die Angst vor einer Prüfung reduzieren. Für mich ist das der entscheidende Punkt und größte Nutzen einer Fortbildung als Prüfer/-in.

 

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