NordPlus heißt ein länderübergreifendes Programm, das Projekte zum lebenslangen Lernen in Europas Norden unterstützt. Beteiligt sind Dänemark, Finnland, Grönland, Island, Norwegen, Schweden, die baltischen Länder Estland, Lettland, Litauen sowie die Färöer und Åland.
Gefördert wird auch Deutsch als Fremdsprache: Im Rahmen von NordPlus Horizontal reformiert ein Projekt den Deutschunterricht an der gymnasialen Oberstufe und Mittelstufe. Schulen und Ausbildungsinstitutionen aus Dänemark, Estland und Norwegen machen mit. Sabine Rolka, die seit 1979 als DaF-Lehrerin in Norwegen lehrt und lebt, ist mit ihrer Schule in Tertnes dabei.

Frau Rolka, welchen Stellenwert hat die deutsche Sprache in den nordischen Ländern?

Sabine Rolka: Deutsch ist wichtig. Es gibt politische Handlungsstrategien, die das Erlernen der deutschen Sprache fördern. Zum einen aus Gründen der wirtschaftlichen Zusammenarbeit, zum anderen wegen der steigenden beruflichen Mobilität. Norweger gehen häufig bereits zum Studium ins Ausland, auch nach Deutschland. Es ist politisch erwünscht, dass 50 Prozent der Studenten im Ausland studieren. Man möchte aber auch Deutsche, die beruflich nach Norwegen kommen, gut empfangen. Die sprachliche Verständigung soll das Verständnis füreinander fördern.

NordPlus fördert deswegen auch einen innovativen Deutschunterricht in der Oberstufe. Was versteht man dabei unter Innovation?

Sabine Rolka: Wir haben festgestellt, dass den Schülern die Motivation fehlt. Also haben wir überlegt, wie wir einen motivierenden Unterricht gestalten, der die Kreativität der Schüler fördert. Das geht über komplexe Aufgaben, nicht über Automatismen. Die Schüler sollen die Sprache in realen Kontexten anwenden, übergreifend denken und selbstständig arbeiten. Das stärkt nicht nur die Wahrnehmung, sondern auch die Reflexion.

Raus aus der Schule

Wie sehen solche komplexen Aufgaben konkret aus?

Sabine Rolka: Mit einer Schülergruppe habe ich zum Beispiel Werbespots für den deutschsprachigen Raum umgesetzt. Dafür haben sie sich mit Schülerfirmen an einer Nachbarschule ausgetauscht. Die Ergebnisse sind so überzeugend, dass die Schüler sie nächstes Jahr auf einer Gründermesse präsentieren. Das motiviert natürlich.
Ein anderes Projekt umfasst die Erstellung eines virtuellen Reiseführers von Kulturerbe vor Ort. Das setzt voraus, dass die Schüler nach draußen gehen, für das Kulturerbe vor Ort sensibilisiert werden, um es ansprechend zu präsentieren. Die Ergebnisse stehen auf der digitalen Lernplattform e-twinning und können dann von Schülergruppen aus Dänemark oder Estland kommentiert werden.

Stichwort digital: wir hören immer wieder, dass der Norden Europas sehr digital-affin ist. Gilt das auch für die Schulen?

Sabine Rolka: Auf jeden Fall. Die Schüler dürfen das Handy in der Schule benutzen, sofern es Recherchezwecken dient. Und sie arbeiten mit ihren eigenen Laptops, um zum Beispiel ihre Präsentationen zu erstellen. Da müssen dann natürlich auch die Lehrer mithalten können. Dafür haben wir in Norwegen an den Schulen den sogenannten Superbruker (= Administrator). Das ist eine Lehrkraft, die speziell in digitalen Anwendungen geschult wird. Dieser Superbruker ist dann Ansprechpartner für seine Kollegen und unterstützt sie.

Wie geht es weiter mit dem NordPlus-Projekt zur Förderung von Deutsch als Fremdsprache?

Sabine Rolka: Im Frühjahr 2019 tauschen wir uns zum dritten Mal über innovative Modelle zum Deutschlernen aus. Diesmal im Rahmen einer Konferenz in Oslo. Eine Materialsammlung wird am Ende des Projekts auf www.tyskforum.no ausgelegt werden. In Zukunft wollen wir noch mehr nordeuropäische Länder für unsere Zusammenarbeit über NordPlus gewinnen.

 


Hueber – Deutsch in der Schule!
Auch der Hueber Verlag ist in Sachen schulischem Deutschunterricht am Puls der Zeit – und nimmt an den Konferenzen des Tyskforum teil.

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