Wer eine fremde Sprache lernt, lernt eine andere Kultur kennen. Ohne den kulturellen Kontext ist das Lernen einer Sprache eigentlich nicht möglich, wenn man eine erlernte Sprache erfolgreich verwenden möchte. Das bedeutet so zu kommunizieren, dass eine harmonische Verständigung gelingt und Missverständnisse weitestgehend ausgeschlossen sind. Dafür ist es hilfreich, Lernenden die kulturspezifische Bedeutung von Wörtern und Phrasen zu vermitteln. – Beispiele aus dem Deutschen:

Wandern

Nehmen wir zum Beispiel das Verb wandern. Darunter verstehen wir ganz allgemein ein Gehen in der Natur. Deutschlernende kennen hierfür auch den Begriff Spazierengehen. Es ist wichtig, diese beiden Begriffe voneinander abzugrenzen. Denn wandern hat eine ganz bestimmte kulturspezifische Bedeutung. Wer sich als Deutschlernende/r in Oberbayern einer Wandergruppe anschließt und erwartet, ein wenig in der Natur spazieren zu gehen, macht möglicherweise eine Erfahrung, die ihr oder ihm das Wandern ganz schön verleiden kann.

Was der Duden dazu sagt

Deswegen gibt sich auch der Duden Mühe, diese kulturspezifische Bedeutung in seinen Beispielen zu vermitteln: einen ganzen Tag [in den Bergen] wandern, sie ist [durch den ganzen Odenwald] nach Heidelberg gewandert. Diese beiden Beispiele werden besonders aussagekräftig durch die Wörter in Klammern. Dass ein Gehen in den Bergen alles andere als ein einfacher Spaziergang ist, kann man sich auch vorstellen, wenn man kulturell bedingt keine Erfahrung damit hat. Und auch wenn man den Odenwald nicht kennt, signalisiert die Formulierung ganzer Odenwald, dass es sich um ein Gebiet mit einer gewissen Größe handelt. Es wird klar: Diesen Wald wandernd zu durchqueren, verlangt einem eine gewisse Anstrengung ab.

Kaffeetrinken

Nun wird man als Lernender in Deutschland möglicherweise häufiger zum Kaffeetrinken als zum Wandern eingeladen. Ein anderes Beispiel, dessen kultureller Kontext Fragen aufwerfen kann. Eine Kursteilnehmerin fragte mich zum Beispiel einmal, ob denn dieses Kaffeetrinken mit einem gemeinsamen Frühstück gleichzusetzen sei. Eine logische Frage, wenn man bedenkt, das Kaffee ein typisch morgendliches Getränk ist. Außerdem war es ihr wichtig zu wissen, wie offiziell so ein Kaffeetrinken sei und ob dazu bestimmte Speisen gereicht würden oder Alkohol konsumiert werde.

Sie war sehr erleichtert zu erfahren, dass ein gemeinsames Kaffeetrinken eher am Nachmittag stattfindet, in der Regel gänzlich ohne Alkohol auskommt und eine recht ungezwungene Zusammenkunft ist. Nur ein Stück des selbstgebackenen Kuchens der Gastgeber sollte man nicht ausschlagen …

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