Elemente aus dem Improtheater eignen sich hervorragend für den Sprachunterricht, weil sie die Vorstellungskraft der Lernenden anregen, authentische Situationen simulieren können und das Sprachenlernen über Emotionen fördern. Viele Lehrende setzen sie deshalb gerne im Präsenzunterricht ein. Aber geht das auch online? Stefanie Fischer gibt Impulse, wie man Improtheater in den Online-Unterricht integrieren kann. Sie ist seit vielen Jahren als Dozentin und Fortbildnerin an Goethe-Instituten im In- und Ausland tätig und unterrichtet selbst online.

Frau Fischer, könnten Sie konkrete Beispiele nennen, die Lehrende unkompliziert und unabhängig vom Lehrwerk sofort in ihrem Online-Unterricht ausprobieren können?

Stefanie Fischer: Ja, zum Beispiel die Improvisation „ich pflücke mir einen Gegenstand aus der Luft und übergebe ihn dem nächsten Teilnehmenden als Geschenk.“ Voraussetzung ist natürlich, dass man erst einmal eine Reihenfolge festlegt, denn jeder Teilnehmende sieht den Bildschirm online ja anders.
Der Teilnehmende, der den Gegenstand übergibt, versucht, durch Gestik und Pantomime klarzumachen, um was es sich handeln könnte. Man könnte etwa mit den Händen den Umriss formen oder durch eine vorsichtige Geste andeuten, dass es sich um einen empfindlichen Gegenstand handelt. Der Teilnehmende, der das Geschenk übernimmt, interpretiert dann, was es sein könnte, und reagiert sprachlich. Zum Beispiel: „Vielen Dank für diesen schönen Apfel, der sieht aber lecker aus. Ich werde ihn gleich nach dem Unterricht essen.“

Eine Idee für größere Gruppen ist folgende Paarübung: Ein Teilnehmender sagt ein Wort, zum Beispiel „Licht“, der andere äußert spontan das nächste Wort, dass ihm dazu einfällt, etwa „Sonne“. So geht das dann hin und her.

Warum sollte man auf derartige Improvisationen gerade im Online-Unterricht nicht verzichten?

Stefanie Fischer: Online-Unterricht ist viel anstrengender für die Teilnehmenden. Hinzu kommt, dass es natürlich viel schwerer ist, sich gegenseitig kennenzulernen und eine positive Gruppendynamik zu entfalten. Außerdem kann man sich leichter wegducken. Situationen, in denen man spontan agieren kann, ergeben sich nicht so einfach. Das bedeutet auch, dass sich Situationskomik nicht entwickeln kann, die ja normalerweise den Präsenzunterricht auflockert. Und so kommt der Humor gerade online häufig zu kurz.

Wir wissen aber, dass positive Emotionen wichtig für den Lernprozess sind. Wer sich mit Spaß auf etwas fokussiert, vergisst den Lernprozess und ist idealerweise so in der Sache versunken, dass sie oder er automatisch lernt. Etwaige Blockaden wie die Angst vor Fehlern können so durchbrochen werden. Deswegen gilt es, solche Situationen auch online zu schaffen und alle Teilnehmenden einzubeziehen.

In Ihren Webinaren zeigen Sie anhand des Hueber-Lehrwerks Vielfalt, wie man theaterpädagogische Methoden und Lehrwerksinhalte kombinieren kann. Wie kann das aussehen?

Stefanie Fischer: Zeitgemäße Lehrwerke wie Vielfalt bieten eine gute Basis, um darauf aufbauend theatrale Elemente einzusetzen. Eine Lektion in Vielfalt hat zum Beispiel Stadtführungen zum Thema (Lektion 3: Stadtführungen einmal anders). Ein schöne Übung dazu: Die Kursteilnehmenden beschreiben ihre Lieblingsstadt eine Minute lang, ohne deren Namen zu nennen. Das können sie entweder live im Plenum tun oder vorab einen kurzen Podcast aufnehmen, den sie dann im Plenum einspielen. Die Lehrkraft lässt sich vorab Fotos der jeweiligen Städte schicken und teilt diese als Collage auf dem Bildschirm. Die Teilnehmenden raten, welches Foto zu der jeweiligen Stadt passt, die beschrieben wird.

Eine weitere Idee: In Lektion 4 von Vielfalt geht es um Themen der Lebensgestaltung. Welche Träume möchten Sie in der Zukunft realisieren oder man wechselt die Perspektive und fragt retrospektiv: Welche Träume hatten Sie als Kind? Eine Improübung dazu, die erfahrungsgemäß gut ankommt: Die Teilnehmenden stellen pantomimisch den Berufswunsch dar, den sie als Kind hatten.

 

Mehr über theaterpädagogische Methoden erfahren Sie im Hueber-Webinar mit Stefanie Fischer am 30.09. um 17.00 Uhr: Im Wandel der Emotionen – Improtheater im Online-Unterricht effizient einsetzen

 


Hueber Webinare – Wissen teilen, Kompetenzen stärken!

Weitere Webinare zum Thema „Improtheater“ gibt es am 19.10. und 18.11.!

Zu den Hueber Webinaren

 

 

© Getty Images/iStock/skodonnell

 

Improtheater