Seit 2018 gibt es einen neuen Begleitband zum Gemeinsamen Europäischen Referenzrahmen, der den GER von 2001 ergänzt.

Dr. Sara Vicente aus unserer DaF-/DaZ-Redaktion über die Neuerungen und wie Hueber mit seinen neuen DaF-/DaZ-Lehrwerken Momente, Gemeinsam und Vielfalt darauf reagiert:

Frau Vicente, was genau hat sich denn geändert?

Sara Vicente: Zum einen erweitert der Begleitband den GeR mit neuen Skalen für sprachliche Bereiche und kommunikative Aktivitäten, die in den letzten 20 Jahren an Relevanz gewonnen haben. Dazu gehören zum Beispiel plurilinguale und plurikulturelle Kompetenzen, Mediation oder Online-Interaktion.
Zum anderen werden dem GER in bestehenden Skalen neue Deskriptoren hinzugefügt. Sie dienen dazu, bestimmte Niveaus wie das Pre-A1-Niveau, die Plus-Niveaus und die C-Niveaus genauer zu fassen. Außerdem wurden einige Deskriptoren aus der Fassung von 2001 leicht modifiziert.

Was versteht man genau unter Konzepten wie plurilinguale und plurikulturelle Kompetenzen und Mediation. Und was bedeutet das für die Entwicklung neuer Lehrwerke?

Sara Vicente: Sprachen und Kulturen sind in erster Linie Ressourcen, sehr wichtige Ressourcen. Unsere Aufgabe als Verlag ist es, diese zur Verfügung zu stellen. Mithilfe unserer DaF-/DaZ-Lehrwerke verschaffen sich die Lernenden einen Zugang zur deutschsprachigen Welt – nicht nur zur deutschen Sprache, sondern auch zu den deutschsprachigen Kulturen. Damit erweitern sie ihr persönliches Repertoire an sprachlichen, aber auch kulturellen Ressourcen. Sie verfügen dann über plurilinguale und plurikulturelle Kompetenzen und sind so in der Lage, sozial zu vermitteln. Sie können Brücken zwischen Menschen bauen, die beispielsweise soziokulturelle, soziolinguistische oder individuelle Unterschiede aufweisen.

Diese Ziele sind zwar nicht neu, sie wurden ja in der Fassung von 2001 immer wieder betont. Mit dem neuen Begleitband erfahren sie allerdings eine Aufwertung und Konkretisierung. Das wollen wir in unserer neuen Lehrwerksgeneration DaF/DaZ umsetzen.

Und wie sieht das konkret aus?

Sara Vicente: Mit unseren drei neuen Lehrwerken Momente, Gemeinsam und Vielfalt wollen wir die Lernenden nach wie vor dabei unterstützen, die vielen Ressourcen, die sie bereits mitbringen, zu aktivieren – zum Verstehen der Zielsprache sowie zur Verständigung. Dabei gehen wir bewusst davon aus, dass Lernende nicht nur eine (Erst-)Sprache können und Kenntnisse einer einzigen Kultur mitbringen. Sie können auf vielfältiges Wissen zurückgreifen und darauf Schritt für Schritt aufbauen.

Wie aus dem neuen Begleitband deutlich hervorgeht, liegt das Ziel des Unterrichts nicht darin, aus Fremdsprachenlernenden Muttersprachler/innen zu machen. Vielmehr sollen Lernende mithilfe unserer Lehrwerke ihre Sprachkompetenz und ihr Wissen über Sprache sowie ihre interkulturelle Kompetenz ausbauen. Diese Vorstellungen gelten natürlich auch für die ProtagonistInnen in unseren Lehrwerken: Ihre Biografien und Geschichten laden dazu ein, über sprachliche und kulturelle Gemeinsamkeiten sowie Unterschiede nachzudenken. Sie regen einen Perspektivenwechsel an und ermutigen dazu, sich auf einen Wertedialog einzulassen.

Natürlich schenken wir auch dem Bereich der Online-Kommunikation vermehrt Aufmerksamkeit. In den neuen Lehrwerken spielen neue digitale Textsorten und neue Lernwerkzeuge wie Erklärfilme eine wichtige Rolle. Auch die Entwicklung von Mediationskompetenzen kommt nicht zu kurz.

Können Sie das an einem Beispiel deutlich machen? Mediation hat ja einen hohen Stellenwert im neuen Begleitband.

Sara Vicente: Ja, der Großteil der neuen Skalen sind Skalen zur Mediation. Im Vergleich zum GER (2001) ist der Bereich Mediation etwas komplexer geworden. Das Konzept geht weit über das Übersetzen und Dolmetschen – also über rein sprachliche Kompetenzen – hinaus. Mediation integriert Erklärkompetenzen, Teamfähigkeit, interkulturelle Fähigkeiten und strategisches Wissen.

Um nur zwei Beispiele zu nennen: Bestimmte Aufgabenformate spielen heutzutage eine zunehmend wichtige Rolle. Dazu gehören das Übertragen schriftlicher Informationen in mündliche, das Erklären von Grafiken und Schaubildern oder das Anfertigen von Mitschriften. Auch das Thema Unterrichtssprache und die Textsorten „Diskussion“ und „Moderation“ gewinnen an Bedeutung.

Bedeutet das, dass die bestehenden Lehrwerke nicht mehr aktuell sind?

Sara Vicente: Der GER erschien 2001, die englischsprachige Version schon 2000. Das bedeutet, dass dieses wichtige sprachenpolitische Dokument bereits in den 90er-Jahren entwickelt wurde. Seitdem ist viel passiert, sowohl in der Welt als auch in der Fremdsprachendidaktik. Man denke an die letzten Migrationsbewegungen, die veränderten Informations-, Kommunikations- und Lerngewohnheiten. Oder neue Publikationen im Bereich Mehrsprachigkeitsforschung, Lernerautonomie oder Chunking.

All das findet schon in den bestehenden Lehrwerken seinen Niederschlag. Beispiele dafür sind Aufgaben zur Mehrsprachigkeits­förderung und zum interkulturellen Vergleich, Instrumente der Selbstbeurteilung oder die konsequente Arbeit mit Chunks.

 


Die neue Hueber DaF-/DaZ-Lehrwerksgeneration

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