Seit über einem Jahr gibt es einen neuen Begleitband zum Gemeinsamen Europäischen Referenzrahmen (GeR), der den GeR von 2001 ergänzt. Er erweitert ihn unter anderem mit neuen Skalen für sprachliche Bereiche und kommunikative Aktivitäten, die in den letzten 20 Jahren an Relevanz gewonnen haben. Dazu gehören zum Beispiel plurilinguale und plurikulturelle Kompetenzen und Mediation. Was aber verbirgt sich konkret hinter diesen Schlagworten?

Plurikulturalität

Dieser Begriff beschreibt, dass es zunehmend Menschen gibt, die mehrere kulturelle Identitäten in sich vereinen. Ein konkretes Beispiel: Eine junge Frau (nennen wir sie Assia) hat eine marokkanische Mutter und einen französischen Vater. Dieser hat zudem deutsche Wurzeln, da er im Elsass aufgewachsen ist. Assia verbringt ihre frühe Kindheit und Jugend in Marokko, später geht sie in Frankreich zur Schule und beginnt dort ein Studium. Außerdem belegt sie einige Semester in Deutschland. In den Semesterferien reist sie so oft wie möglich nach Marokko, um ihre Großmutter zu besuchen, bei der sie aufgewachsen ist und zu der sie ein enges Verhältnis hat. Assia fühlt sich nicht einer bestimmten Kultur oder gar Nation zugehörig. Sie ist plurikulturell aufgewachsen und lebt auch so. Sie bewegt sich mühelos zwischen den Kulturen.

Plurilingualität

Es ist naheliegend, dass eine Person, die plurikulturell lebt auch plurilingual ist. In unserem Fall spricht Assia mit ihrer Mutter und deren Verwandten in einem marokkanischen Dialekt. Mit ihren Eltern spricht sie Französisch, mit ihrem Vater unterhält sie sich manchmal auf Deutsch. Während ihrer Kindheit in Marokko hat sie außerdem in der Schule Arabisch gelernt. Während ihrer Schul- und Studienzeit hat sie ihr Deutsch weiter vertieft und Fremdsprachen wie Englisch und Spanisch gelernt. Das Sprachenlernen fällt ihr leicht, da sie auf unterschiedliche Sprachkenntnisse und Sprachlernerfahrungen zurückgreifen kann. Ihre kulturellen und sprachlichen Kenntnisse befähigen sie außerdem zur Mediation.

Mediation

Menschen wie Assia können ihre Fähigkeiten einsetzen, um Brücken zwischen unterschiedlichen Kulturen zu bauen. Dabei geht das Konzept Mediation weit über das Übersetzen und Dolmetschen – also über rein sprachliche Kompetenzen – hinaus. Zu Mediation gehören ebenso Erklärkompetenzen, Teamfähigkeit, interkulturelle Fähigkeiten und strategisches Wissen. Plurikulturelle Menschen sind leichter in der Lage, die Perspektive zu wechseln und sich auf andere Sichtweisen einzustellen. Oder anderen unterschiedliche Wertesysteme zu beschreiben und damit Einblicke in andere Kulturen zu ermöglichen.

GeR-Begleitband und moderner Fremdsprachenunterricht?

Wie aus dem neuen Begleitband zum GeR deutlich hervorgeht, liegt das Ziel des Unterrichts nicht darin, aus Fremdsprachenlernenden Muttersprachler*innen zu machen. Moderner Fremdsprachenunterricht geht davon aus, dass Lernende nicht nur eine (Erst-)Sprache können und Kenntnisse einer einzigen nationalen Kultur mitbringen. Sie können auf vielfältiges Wissen zurückgreifen und darauf Schritt für Schritt aufbauen. Vor allem aber können sie dieses Wissen auch vermitteln und damit Verständigung weit über das Sprachliche hinaus fördern.

Auf welche Konzepte setzt der moderne Fremdsprachenunterricht?

Digitale Lernwelten werden dafür immer wichtiger, gerade weil aus der Lebenswelt der jungen Weltbürger*innen wie Assia die Online-Kommunikation nicht mehr wegzudenken ist. Die Kombination aus gemeinschaftlichem und individuellem Lernen ist ein wichtiger Aspekt des Unterrichts. Blended Learning und Embodied Cognition sind bevorzugte Ansätze. Mehr dazu im nächsten Beitrag.

 


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