Alphabetisierungskurse sind auch für erfahrene Lehrende eine Herausforderung. Denn diese Kurse sind meist besonders heterogen in der Zusammensetzung. Um Binnendifferenzierung kommt man da nicht herum. Doch wie kann man dieses Prinzip in der Praxis umsetzen? Anja Böttinger, Autorin der Lehrwerksreihe Schritte plus Alpha beim Hueber Verlag, hat sich eingehend mit diesem Thema beschäftigt und gibt hilfreiche Tipps.

Doch was versteht man unter Binnendifferenzierung überhaupt? Vereinfacht kann man sagen: Nicht alle machen alles. Der Kurs wird in verschiedene Gruppen geteilt, die jeweils unterschiedliche Aufgaben erhalten. Die Kriterien für die Einteilung sind zum Beispiel: Lerngeschwindigkeit, Lernschwierigkeiten oder auch Interessen. So kann man den Bedürfnissen aller Lernenden entgegenkommen. – Beispiele aus der Praxis:

Keine Langeweile bei schnellen Lernern

Ein Problem, das alle Lehrenden kennen: Schnelle Lerner sind mit ihren Aufgaben längst fertig, langweilen sich und werden unruhig. Man möchte die anderen Teilnehmer aber nicht hetzen. Eine gute Möglichkeit sind hier Zusatzaufgaben, die schnellere Lernende bearbeiten können. Es gibt sozusagen Pflichtaufgaben, die alle lösen, und Wahlmaterial.
Solche Materialien wie Arbeitsblätter können zum Beispiel auch auf einem Tisch im Kursraum ausliegen und je nach Interesse gewählt werden.
Auf Schreibaufgaben lässt sich dieses Prinzip ebenfalls übertragen: Wer schneller ist, kann einfach etwas mehr schreiben (zu einem Thema, Sätze mit bestimmten Strukturen, etc).

Lernschwierigkeiten abfedern

Primäre Analphabeten haben keine Schul- oder Lernerfahrung und brauchen daher häufig eine besondere Förderung. Lehrende könnten versuchen, regelmäßig kurze Zeitspannen wie etwa 15 Minuten für diese Teilnehmer/innen einzuplanen, um sie gezielt zu unterstützen. Die anderen könnten in dieser Zeit Arbeitsblätter bearbeiten.
Oft ist es auch hilfreich, wenn ein Teilnehmer ein Thema noch einmal für alle wiederholt. Er benutzt unter Umständen eine einfachere Sprache, die leichter verstanden wird.

Abschreiben erlaubt

Lehrende in heterogenen Kursen stellen oft fest, dass Kursteilnehmer von anderen, die schon etwas weiter sind, abschreiben, aber selbst nichts verstanden haben. Für den Anfang ist das völlig in Ordnung, die schwächeren Lernenden profitieren trotzdem davon.
Schon mit kleinen Tricks lässt sich permanentes Abschreiben umgehen. Zum Beispiel, indem man an Sitznachbarn unterschiedliche Arbeitsblätter zum gleichen Thema austeilt. Manchmal reicht es auch, einfach die Reihenfolge der Aufgaben zu tauschen.

Und natürlich müssen Sie nicht alle Lehrmaterialien selbst erstellen: Für das Lehrwerk Schritte plus Alpha Neu gibt es zum Beispiel das Trainingsbuch Schritte plus Alpha Neu. Dieses Buch bietet jede Menge Zusatzmaterial, das Lehrende für die Binnendifferenzierung nutzen können.

Hier finden Sie weitere Tipps zum Thema von Anja Böttinger.

 


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